Matomo Tag Manager Einführung – Teil 1

Der Matomo Tag Manager ist eine Erweiterung der Open Source Matomo Webanalyse Lösung, die nach wie vor auch unter ihrem früheren Namen Piwik bekannt ist. Der Tag Manager ist ein fester Bestandteil neuester Matomo Versionen und wurde zentral in die Benutzeroberfläche integriert.

Matomo

Bild 1: Der Einstieg in den Matomo Tag Manager-Bereich ist prominent im Arbeitsbereich von Matomo eingebettet.

Eine Verwendung des Tag Managers beim Einsatz vom „bisherigen“ Matomo Tracking ist damit jedoch nicht zwingend erforderlich geworden. Kunden von Matomo werden in der Regel weiterhin auf das „normale“ Web-Tracking setzen und den Tag Manager entweder ignorieren oder als zusätzliches Werkzeug verstehen. Ein gemeinsamer Einsatz vom klassischen Matomo-Tracking und dem Matomo Tag Manager innerhalb ein und derselben Webseite erfordert dagegen Umbauten, auf die ich in Teil 2 eingehen werde.

Um den Tag Manager in der eigenen Webseite nutzen zu können, muss einmalig, wie bekannt vom herkömmlichen Webanalyse-Tracking, ein JavaScript-Snippet im HTML hinterlegt werden.

Erweitertes Tracking ohne HTML-Anpassung

Der Funktionsumfang des Matomo Tag Managers wurde so breit gefächert, dass ich zum Verständnis dieses Werkzeuges zunächst eine Strukturierung seiner Möglichkeiten vornehmen möchte. Sowohl zum Erstverständnis als auch später für jedes einzelne Webprojekt muss die Funktionsvielfalt betrachtet und abgewogen werden. Gerade, weil man nahezu „alles“ im Frontend einer Webseite damit machen kann, ist eine tiefere Betrachtung von Stärken, aber auch Risiken erforderlich.

Auf der Webseite von Matomo wird für die Umschreibung der Möglichkeiten des Tag Managers ein Vergleich mit Content-Management-Systemen (CMS) herangezogen, bei denen der Redakteur üblicherweise keine Kenntnisse über HTML oder andere technische Hintergründe der von ihm betreuten Webseite besitzen muss.

Während ein CMS für Webseiten-Redakteure seinen Schwerpunkt auf die mehr oder weniger umfangreiche Verwaltung von Webseiten-Inhalten legt, ohne HTML-Kenntnisse vorauszusetzen, versucht der Matomo Tag Manager in eine von anderen kommerziellen Tracking-Werkzeugen bereits früher eröffnete Nische nachzurücken. Nämlich sollen ohne HTML- oder JavaScript-Programmierkenntnisse und ohne Anpassungen des bestehenden HTML-Codes das Nutzer-Verhalten und Konversionen je nach Anwendungsfall auswertbar sein.

Matomo Tag Manager Dashboard, Container, Tags, Impulse, Variablen

Bild 2: Das Matomo Tag Manager Dashboard

Die Weboberfläche des Tag Managers innerhalb vom Matomo-Backend ist dabei das zentrale Werkzeug, in dem vorgefertigte Funktionen ein Zusammenklicken und Konfigurieren der gewünschten Messungen gestatten. Um die Verbindung zur eigenen Webseite herzustellen, sind dann jedoch grundlegende Kenntnisse von Browser-Werkzeugen (bspw. Developer Tools) und ein Verständnis von HTML und CSS erforderlich, wenn man sich nicht nur auf einfache Messungen beschränken möchte.

So können HTML-Tags oder CSS-Klassen aus dem eigenen Webauftritt als Bedingungen hinterlegt werden, die dann z.B. bei ihrer Anzeige im Browser oder Klicks darauf eine Messung in ein Tracking-System (wie Matomo selbst) oder ein anderes Verhalten in der Webseite auslösen.

Impuls bei Klick im Matomo Tag Manager

Bild 3: Beispiel für ein angelegten Impuls, der bei Klick ausgelöst wird und in einem „Tag“ genutzt werden kann.

 

Einfügen von Dritt-Code in den Matomo Tag Manager

Darüber hinaus, und das ist die zweite große Dimension des Matomo Tag Managers, kann mit Hilfe dieses Werkzeuges, wenn erwünscht, ohne Limitierung HTML und JavaScript-Code von Drittanbietern oder Frontend-Developern, die aus technischen oder organisatorischen Gründen nicht an der Webseiten-Entwicklung mit dem verwendeten CMS mitwirken, in die Webseite eingefügt werden.

Überblick über Tag-Typen

Bild 4: Tag Manager Code

Ich habe an dieser Stelle bewusst diese zugespitzte und technische Umschreibung „ohne Limitierung“ gewählt, um versierten Personen von vornherein deutlich zu machen, dass hierin Flexibilität als auch Risiko zugleich liegen. Flexibel deshalb, weil ohne aufwendige Rollouts von Software bei größeren Webseiten, Kampagnen- und Werbe-Maßnahmen beispielsweise durch Störer-Elemente, gefahren werden können. Matomo nennt als Beispiele die Einbettung von:

  • Newsletter Anmelde-Widgets
  • Ausstiegs-Popups
  • Umfrage-Störern
  • Remarketing-Funktionalitäten
  • Social Plattform-Widgets
  • Affiliate-Funktionen
  • Werbebannern
  • Facebook-Pixeln
  • Google Analytics-Trackings
  • A/B Tests
  • Benutzerdefiniertem HTML-/ JavaScript-Code

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, woraus folglich auch die Risiken entstehen, da sich

  • Inkompatibilitäten zwischen eingefügtem Code und der Webseite,
  • Sicherheitslücken in Drittanbieter-Codes und damit der eigenen Seite sowie
  • Geschwindigkeitseinbußen bei Lade- und Verarbeitungsvorgängen

ergeben können.

Qualitätssicherung mit dem Matomo Tag Manager

Ein stabiler Betrieb der Webseite, konkret gesagt die Gewährleistung einer funktionierenden und Sicherheitslücken-freien Webseite innerhalb der Browser- und Gerätelandschaft der Besucher, kann nur erreicht werden, wenn der oder die Tag Manager-Redakteure oder Administratoren gründlich testend, verantwortungsbewusst und letztlich nach einem festen Release-Management-Prozedere, wie bei professionellen Software-Projekten üblich, ihre Änderungen vornehmen.

Der Matomo Tag Manager unterstützt diese Forderung, in dem Änderungen zwingend versioniert und explizit freigeschaltet werden müssen. Auf diesem Weg kann, im Fall von Fehlern, auf vorherige Versionen einer Konfiguration zurückgegangen werden. Dieses Verhalten ist obligatorisch vorhanden und kann nicht umgangen werden.

Versionierung mit dem Matomo Tag Manager

Bild 5: Versionierung mit dem Matomo Tag Manager

Matomo Tag Manager Rechtevergabe

Bild 6: Rechtevergabe an Redakteure des Matomo Tag Managers im Admin-Bereich von Matomo

Ferner kann per Rechte-Beschränkung durch den Matomo Administrator festgelegt werden, wer von den Matomo-Nutzern benutzerdefiniertes HTML oder JavaScript im Tag Manager und damit in die Webseite einfügen und darüber hinaus wer eine Änderung in die Live-Webseite freischalten (veröffentlichen) darf. Diese Einstellung ist eine optionale Festlegung vom Matomo-Administrator, sollte aber wie beim professionellen Arbeiten mit Content Management Systemen und anderen IT-Systemen ins Auge gefasst werden, wenn mehrere Personen mitarbeiten.

Zum vorherigen Testen von Anpassungen sieht Matomo zwei Ansätze vor, deren Anwendung ebenfalls organisatorisch festgelegt und aus einem Verantwortungsbewusstsein für Qualität heraus praktiziert werden muss.

Zum einen können Änderungen in einem Vorschau- bzw. sogenannten Debug-Modus überprüft werden, ohne zuvor Versionierungen dieser Änderungen vornehmen zu müssen. Dieser Modus stellt eine Art Browser-Konsole (ein per JavaScript von Matomo eingefügtes IFrame) in einem abgetrennten Bereich der Webseite am unteren Bildschirmrand dar, in dem detailliert geloggt wird, wie und ob die jeweilige Konfiguration nach Wunsch arbeitet. Es ist nicht das komfortabelste Werkzeug, bei umfangreichen Tests ist man permanent am Scrollen. Auch verschwindet die Konsole, sobald man einen Link auf der Webseite klickt und zu einer anderen Seite gelangt, so dass man sie manuell wieder herbeiholen muss. Technologisch lässt sich das wohl ohne Browser-Plugin nicht anders lösen.

Matomo Tag Manager Debug-Mode

Bild 7: Abbildung einer Testseite – der Debug-/ Entwicklermodus des Matomo Tag Managers steht als IFrame am unteren Bildrand des Browsers

Der zweite, ebenfalls selbstverpflichtend mögliche Ansatz zur Qualitätssicherung sieht vor, dass man seine versionierte Änderung zunächst auf einer Test-Webseite veröffentlicht und dort überprüft. Dieser Veröffentlichungsvorgang ist für den Matomo-Anwender einfach zu praktizieren, hat jedoch den Nachteil, wie auch während des Debug-Modus, dass eventuelle Schreibzugriffe bei diesen Tests (z.B. Tracking von Nutzerverhalten zu Google Analytics oder Matomo selbst) in dieselben Systeme erfolgt, die eigentlich für die produktive Webseite konfiguriert sind.

Fazit

Matomo wirbt mit der hohen Flexibilität und den unbegrenzten Möglichkeiten dieses Werkzeuges. Dem ist pauschal nicht zu widersprechen. Die Verwendung sollte jedoch durch Matomo-Redakteure erfolgen, die bzgl. ihrer Eingriffe ein hohes Verantwortungsbewusstsein haben, um technische Seiteneffekte im Blick zu behalten und auszuschließen.

Im zweiten Teil betrachte ich die Kombinierbarkeit vom bisherigen Tracking-Ansatz mit dem Matomo Tag Manager.

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